Durch Korrosion verzogene und gebrochene

Stahlverbindung.

Verzogener Stahlträger.

Das tontiefe Geläut der Christuskirche hat als klangschönes Musikinstrument mit seiner Disposition h° +3 (2.756 kg), d' +5 (1.600 kg) und e' +4 (1.100 kg) das Motiv Te Deum, bestehend  aus Mollterz h° - d' und großer Sekunde d' - e' bzw. Mollterz h° -d' und Quarte h° -e'. Die 3 Glocken stehen zueinander  in sauberer Nominalinie und werden in ihrer Klangwirkung durch die Tatsache, dass die Terz der Glocke 1 mit d' +5 deckungsgleich mit dem Nominal der Glocke 2 ist, hervorragend unterstützt.


Die Stifter ließen dieses Geläut genau nach der Disposition h°- d'- e' des ebenfalls von der Hofglockengießerei Franz Schilling in Apolda im Jahre 1891 mit 5.468 kg Gesamtgewicht gefertigten Glockengeläutes der Schloßkirche zu Wittenberg , an deren Tür Martin Luther am 31.10.1517 seine 95 Thesen angeschlagen haben soll und in der er begraben liegt, gießen. Diese Verbindung der Christuskirche  zum lutherisch geprägten deutschen Protestantismus war den Stifterinnen offensichtlich ein Herzensanliegen, was auch auf Inschrift und Zier der Glocken von 1913 zum dauernden Ausdruck kommt. Das „Schwestern-Geläut" in Wittenberg wurde durch die im Jahre 1917 erfolgte Glockenbeschlagnahme der großen Glocke h° und der mittleren Glocke d' zerstört. So ist nun die „Kopie" des Wittenberger Geläutes in Rom selbst zum Original geworden.

Das denkmalgeschützte Glockengeläut der Christuskirche


Die drei Bronzeglocken wurden, wie die anderen Ausstattungsstücke der Christuskirche auch, gestiftet. Bereits 1905 hatte sich der Gustav-Adolf- Frauen- und Jungfrauenverein Wittenberg,

gemeinsam mit den anderen Gustav-Adolf-Frauenvereinen der Kirchenprovinz Sachsen, bereit erklärt, für die Kosten des Geläutes aufzukommen. Im Jahre 1913 erhielt die damalige Hofglockengießerei Franz Schilling Söhne in Apolda den Auftrag, die 3 Bronzeglocken zu gießen. Die gegen Jahresende 1913 gefertigten Glocken wurden nach Beginn der Glockenstuhlmontage am 17. und 18.06.1914 in den Turm der Christuskirche aufgezogenen. Nach ihrer Montage im Stahlglockenstuhl wurden sie in Anwesenheit Pfarrer Dr. Schuberts und des bauleitenden Architekten probegeläutet. Seit der  Einweihung der Christuskirche  am 05. November 1922 läuten die Glocken regelmäßig.


In beiden Weltkriegen wurden die Bronzeglocken in den Jahren 1917 und Jahre 1940 im Deutschen Reich zu Rüstungszwecken beschlagnahmt. Das betraf vor allem auch das umfangreiche Schaffen der damals sehr geachteten Hofglockengießerei Franz Schilling Söhne. So wurden z.B. im Bereich der Ev.- Luth. Landeskirche Sachsens die von Schilling im Zeitraum von 1878 - 1939 insgesamt 115 komplett gegossenen Geläute durch diese Glockenbeschlagnahmen bis auf 2 zerstört. Nur das große Geläut der Kreuzkirche Dresden von 1899 und das Geläut in Lauter von 1928 blieben erhalten. So gesehen bilden die 1913 von Schilling in Apolda einheitlich gegossenen historischen Bronzeglocken der Christuskirche ein ganz besonders kostbares und sehr seltenes Geläut.


Hervorzuheben ist, dass die Ikonographie des Geläutes vom Architekten der Kirche, wie andere wesentliche Teile der Ausstattung auch, entworfen und die Umsetzung in Reliefmodelle für die Gießerei einem bedeutenden Bildhauer übertragen wurden. So tragen die „lutherischen"  Glocken die gleiche einheitliche künstlerische Handschrift wie Altar, Taufstein und Taufschale.



Das Geläut der Christuskirche

Ein für die Kirchen der Reformation bedeutendes Geläut:


Die dem Original nächste und qualitativ höchstwertige erhaltene Version des Geläutes der Wittenberger Schlosskirche.

Der Glockenturm

der Christuskirche.

Eine der drei Glocken

der Christuskirche.



Der gegenwärtige Zustand des Glockenstuhls


Nach fast auf den Tag genau 93 Jahren Standzeit zeigt der stählerne Glockenstuhl durch Witterungseinflüsse in Kombination mit den eingetragenen Lasten aus dem Glockenläuten und ungünstiger Konstruktion (geringe Abstände zwischen den Profilen) sowie geringer Pflege Korrosionsschäden und Deformationen in einem schlimmen Ausmaß. Alle für die Lasteinleitung durch das Glockenläuten entscheidenden Bauteile, wie die vier Fußpunkte des Stuhles, die Querschwellen der oberen Etage und  Fußpunkte der hochbelasteten mittleren Stuhlwand der oben hängenden Glocken 2 und 3, sind durch Treibrostbildung zerstört.


Nach der früher erfolgten Stilllegung der Glocke 1 musste, ausgehend von fehlender Standsicherheit und Belastbarkeit des Glockenstuhles, auch noch für die Glocken 2 und 3 sofortiges Läuteverbot zur Abwendung unkalkulierbarer Schäden und Gefahren ausgesprochen werden.


Die an der Instandsetzung Beteiligten werden sich bemühen, dass möglichst bald die lutherischen Glocken Roms ihr verordnetes Schweigen aufgeben, wieder zur Ehre Gottes läuten und die Menschen freundlich zu Gottesdienst, Andacht und Gebet mit ihren dann wohlklingenden Stimmen einladen können..


Dr. Rainer Thümmel

Sachverständiger für Geläute und Turmuhren


Eine Aufnahme des Geläut können Sie hier hören -

leider nur den Klang des bereits beeinträchtigten Geläuts vom April diesen Jahres.


Die Kirche und vor allem ihr Geläut war im Rahmen des Apoldaer Weltglockengeläut 2007 im Mitteldeutschen Rundfunk (MDR) zu sehen. Wir danken Roberto Laneri und Betty Lo Sciuto, die den Klang  unserer Glocken dabei musikalisch und tänzerisch interpretiert haben.

Ev.-luth. Gemeinde Rom

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